Abwechslungsreiche Wanderfahrt nach Brandenburg an der Havel

Abwechslungsreiche Wanderfahrt nach Brandenburg an der Havel


Eindrücke aus einem Ruder-Paradies

Die Stadt Brandenburg an der Havel liegt etwa 70 km westlich von Berlin. Das pittoreske Örtchen verfügt über drei geschichtsträchtige und aufwändig restaurierte Stadtkerne sowie eine beeindruckende Wasserlandschaft mit vielen Seen, Kanälen, Parks und Naturschutzgebieten. Kurz gesagt: Ein Paradies für Ruderer, das Erika für die 13 Teilnehmer unserer abwechslungsreichen Wanderfahrt vom 7. bis 12. September 2025 ausgesucht hatte.

Dank ihrer perfekten Organisation stand uns vor Ort die Infrastruktur des Ruder-Club-Havel Brandenburg zur Verfügung: Zwei reife, aber gepflegte Vierer aus Holz, die wir mit Handsteuer fuhren, sowie ein ebenfalls handgesteuerter Zweier aus Plaste ermöglichten uns, die Region auf dem Wasser intensiv zu erleben. Dabei legten wir täglich 30 bis 44 Kilometer in den Ruderbooten zurück.

Bei strahlendem Sonnenschein übernahmen wir am Morgen des ersten Tages die Boote. Rasch und ganz ohne Diskussionen folgte die Einteilung der Besatzungen und schon ging es aufs Wasser, besser gesagt auf den „Triebwerkskanal“. Herrlich: Weder Strömung noch Schiffsverkehr. So ließen sich die letzten Einstellungen im Boot in aller Ruhe vornehmen und Thomas – im universellen Umgang mit technischen Widerständen aller Art erfahren – konstruierte mittels Klebeband mal eben eine komplett neue Fersenhalterung für sein Stemmbrett.

Vom Kanal bogen wir in die Niederhavel ab, ließen die historische Altstadt mit ihrem beeindruckenden Dom und zahlreichen wunderschönen historischen Bauwerken hinter uns, überquerten Breitling- und Plauer See und erreichten pünktlich zur Mittagspause einen kleinen Strand bei Wusterwitz. Nach knapp 20 Kilometern auf den Rollsitzen tat es gut, sich im Gras auszustrecken und Hunger und Durst zu stillen. Die Rückfahrt zum Bootshaus erfolgte über die gleiche Route. Inzwischen hatten wir uns mit den Eigenheiten der drei Leihboote arrangiert. Erfahrungen, die uns wieder einmal vor Augen führten, welch hervorragendes Bootsmaterial uns beim WSVG zur Verfügung steht. Nach dem obligatorischen Abwaschen der Boote und frisch machen der Besatzungsmitglieder klang der Abend in einem Restaurant für Kartoffelspezialitäten aus – frei nach dem rheinischen Credo „zufrieden und satt, wie schön is dat“.

An den weiteren Tagen führten unsere Touren durch unterschiedliche Abschnitte der Havel, ausgedehnte Seenlandschaften und zahlreiche Kanäle. Echtes Abenteuer-Feeling kam auf, als der Durchstich zwischen Plauer- und Möserscher See so eng wurde, dass Hans-Georg (HG) in Indiana-Jones-Manier aussteigen und das Boot am Seil durch die Engstelle ziehen musste. Vom Humor der Einheimischen zeugte ein Holz-Schild am Ufer mit der Aufschrift „Panama-Kanal“.

Vorbei an kleinen Dörfern und Hafenanlagen eröffnete sich uns immer wieder ein neuer Blick auf die malerischen Uferregionen. Dabei zeigte sich die Natur von ihrer schönsten Seite: Blühende Seerosenfelder säumten die stilleren Wasserarme, an den Schilfgürteln rasteten Graureiher und Kormorane, und einmal konnte ich einen bunt schillernden Eisvogel beim blitzschnellen Start aus dem Wasser beobachten. Auf den Wiesen am Ufer grasten Schwäne, während über dem Möserscher See sogar ein majestätischer Fischadler seine Kreise zog.

Für uns Freizeit- und Wanderruderer folgte am dritten Rudertag noch ein besonderes Highlight: Wir befuhren – natürlich mit deutlich erhöhter Schlagzahl – die knapp zweieinhalb Kilometer lange Regattastrecke Beetzsee, auf der sonst nationale und internationale Ruder-, Kanu- und Schnellboot-Rennen ausgetragen werden. Dabei gab Dieter individuelle Tipps zur effizienten Verbesserung des Ruderstils und interessante Einblicke in seine Rennruder-Erfahrungen.

Neben der sportlichen und Gesäß-technischen Herausforderung, 150 Ruderkilometer in vier Tagen zu absolvieren, bot die Fahrt auch immer wieder Gelegenheiten zur Erholung. Gemeinsame Pausen an kleinen Badestellen, eine individuelle Runde durch die abendlichen Altstadtgassen Brandenburgs und gesellige Restaurant-Abende in der Gruppe machten die Wanderfahrt zu einem unvergesslichen Erlebnis. Zum Gelingen trug vor allem die hervorragende Vorbereitung bei: Organisation, Bootsverteilung, Wetter und die Abstimmung mit dem gastgebenden Verein waren makellos. Dafür gebührt Erika ein besonderer Dank.

Mit vielen Eindrücken von Natur, Kultur und Gemeinschaft kehrten wir nach Godesberg zurück – einig darin, dass diese Wanderfahrt eine der schönsten der letzten Jahre war.

Teilnehmer: Erika und Axel, Steffi und Thomas, Gudrun und Dieter, Antje, Ute, Ruth, Nicolai, Hans-Georg (HG), Peter, Ralf

Ralf Hermann

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