Wanderfahrt an der Mecklenburgischen Seenplatte

Wanderfahrt an der Mecklenburgischen Seenplatte

Wie schon mehrfach seit 2018 führte auch in diesem Jahr wieder eine Ruderwanderfahrt nach Mirow und Umgebung an die wunderschöne mecklenburgische Seenplatte. Vom 14. bis zum 21. Juni nahmen insgesamt 13 Ruderfrauen und -männer teil, unterstützt durch ein dreiköpfiges familiäres Begleitteam, das in Fragen der richtigen Sportbekleidung und Erkundung der örtlichen Freizeit- und Einkaufsmöglichkeiten beratend zur Seite stand.

Neben zehn erfahrenen Wanderrudernden umfasste die Gruppe drei noch nicht so erfahrene Ruderbegeisterte, die sich noch in der Phase des „learning by lake“ befanden – wobei dieser Unterschied im Laufe der Woche zunehmend an Bedeutung verlor. Dass die „Neuen“ sich schnell integrierten, lag nicht zuletzt auch daran, dass alle Mitfahrenden neben ihren rudersportlichen Fähigkeiten über bemerkenswerte Fachkenntnisse in unterschiedlichsten Disziplinen verfügten. So reichten die Diskussionen beim abendlichen Zusammentreffen von vertieften Einsichten in die Straßenverkehrsordnung über die Effizienz von Dieselmotoren bis hin zum Fliegen und Landen von Luftfahrzeugen bzw. Katamaranen – um nur einen Bruchteil zu nennen…

Untergebracht waren wir im „Landhotel am Peetscher See“, das sich als verlässliche Basis für Start, Ziel und abendliche Nachbesprechungen bewährte. Schon der Einstieg verlief typisch für eine gute Wanderfahrt: Ein Teilnehmer stellte fest, dass seine gesamte Ruderausrüstung offenbar beschlossen hatte, zu Hause zu bleiben. Nach einer spontanen Expedition des Begleitteams nach Mirow konnte das Problem jedoch erfolgreich gelöst werden. Die Einzelhändler in Mirow, sie bieten auch an Sonntagen für fast jedes Problem eine Lösung an. Gerudert wurde in Tagestouren von Montag bis Samstag mit einer Unterbrechung am Donnerstag, der für einen Ausflug zum Luftfahrttechnischen Museum in Rechlin sowie dem Besuch der denkmalgeschützten Oktogonkirche in Ludorf genutzt wurde. Wie heimlich mitgeschnittene Tonaufnahmen belegen, war ein Highlight hier zweifellos die spontane Jamsession von Klaus auf der rein mechanischen Orgel von 1854.

Die Ruderfahrten führten über diverse von Seerosen gesäumte Seen und durch verschlungene amazonashafte Kanäle mit einer prächtigen Insekten- und Vogelwelt. Zu den Rast- und Liegeplätzen (der Rudernden) gehörten Pizza Napoli in Schwarz, die Fleether Mühle, der Campingplatz Seewalde, „Paddel Paul“ auf dem Campingplatz Zietlitz sowie der Fischereihof in Mirow.

Auch technisch wurde es nicht langweilig: Ein verlorener Dollenring wurde durch Hartmuts Armbanduhr und mithilfe von Panzerband in einer Art improvisierter Hochleistungsingenieurskunst ersetzt – ein Verfahren, das vermutlich keine DIN-Norm erfüllt, aber dennoch erstaunlich gut funktionierte. Leider verlief nicht jede Situation nach Lehrbuch: Bei einem Anlegemanöver frischten die Böen ungünstig auf, so dass ein Boot bei Wellengang gegen den Anleger gedrückt wurde und ein Ausleger Schaden nahm. Zu danken ist dem Bootswart des Rudervereins Blau-Weiß Mirow, bei dem wir auch die Boote ausgeliehen hatten: Schon am nächsten Morgen waren Dollenring und Ausleger wieder repariert.

Insgesamt gelangen die diversen An-, Ablage- und Ablegemanöver selbst an den schwierigsten, von Paddelbooten oder sonstigen Hindernissen gesäumten Landestellen tadellos. Im Prinzip unerklärliche aber gleichsam von unsichtbarer Hand gesteuerte gruppendynamische Befehlsrekursionen führten schließlich doch immer wieder zu akzeptablen Lösungen. Gerade für uns „Neue“ war es interessant, auch diesen Lehrsatz aus der Thermodynamik des Ruderns einmal mitzunehmen: Das Universum der rudertechnischen Handlungsmöglichkeiten, es dehnt sich aus, und zwar exponentiell zur Anzahl der Ruderexperten. Allein Hunger, Regen oder Erschöpfung können hier limitierende Faktoren sein.

Die Kombination aus abwechslungsreichen Rudertouren, eindrucksvoller Natur, kulturellem Programm und guter Unterkunft machte die Woche zu einem vollen Erfolg. Darüber hinaus bleibt die Erkenntnis, dass robuste Armbanduhren und Panzerband zu den wichtigsten Ausrüstungsgegenständen des Wanderruderns zählen.

Ein besonderer Dank geht an Janet Beckmann für die wunderbare Organisation der Wanderfahrt.

Ahoi, Henrik Schwarz

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