WSVG-Erfolge bei der Euromasters Regatta in München
Sie kam, sah und siegte…

„Sie“ – Cora Berger – hatte im Vorfeld Probleme: Ihr Partner für den Mix-Zweier sagte ab, ein Boot wurde noch gesucht. Die Honnefer kamen erst am ersten Renntag, da war das Mix-Rennen im 2xB schon vorbei. Immerhin wurde ein Partner gefunden: Tom Snelinski vom RC Sorpesee. Mit dem hat Cora vor vier Jahren bei einem Trainingslager in Frankreich im Vierer gesessen… Das ist jetzt nicht die ultimative Vorbereitung, im Doppelzweier kommt es auf Präzision im Bewegungsablauf und absolute Synchronität an, die kommt selbst bei guten Ruderern nicht bei einer Ausfahrt zustande. Aber: Es waren immerhin alle Rollsitze besetzt.
„Sie kam…“ im Rahmen einer Familienreise und hoffte, dass noch ein Boot gefunden wird. Am letzten Tag vor dem Rennen nach vergeblichen Telefonaten und Nachfragen, hörte ich nichts mehr, dachte: Es hat wohl geklappt. Da kam 18:27 die Mail weitergeleitet von einer anderen Adresse: „Habt Ihr morgen früh einen Doppelzweier, möglichst leicht, zur Verfügung?“ Es war also nichts klar.
Ich war gerade im Hotel angekommen. Jetzt half nur einer: Johannes Flicker aus Herford, mit dem ich am nächsten Tag einen Doppelvierer fahren sollte, ist bei Filippi nebenberuflich Repräsentant und Verbindungsmann zur Mastersfamiliy. Eine halbe Stunde später war es klar: Ein nagelneuer 2x wartet ab 8 Uhr auf Cora und ihren Partner. Das Ausleihen von Booten ist bei den Masters untereinander gegen einen kleinen Obolus durchaus üblich – man kennt sich, man hilft sich und für 4 Minuten bekämpft man sich. Beim professionellen Verleiher ist der Obolus deutlich höher, aber das half ja nun nichts.
„Sie sah…“ – 8:00 Uhr, erster Regattatag. Cora sieht Ihren Partner und sieht das weiße Flaggschiff, die speziellen Öffnungsclicks an den Schuhen sind schnell erklärt. Bugnummer ist montiert. Die Familie sucht noch den Parkplatz in dem riesigen Gelände der olympischen Regattastrecke (1972) als es 8:30 heißt: „Stoßt ab“. Schlagaufbau, Zusammenfinden, ein paar schnelle Schläge, ein Start zur Übung.
„Sie siegte…“ 9:15: „Attention – Go!“. Kontinuierlich geht es voran, das Boot schiebt sich immer etwas weiter vor die anderen. Am Beginn der endlos langen Tribüne (bei 750m) dreht Tom nochmal auf, es wird hart am Schluss, aber keiner kommt mehr an den beiden vorbei und im Ziel ist es fast eine Länge.
Hipphipphurra! 9:27 Anlegen am Siegersteg. 9:40 Boot zurück, Fototermin – inzwischen ist auch Stefan mit den Kindern da.
10:00 Abfahrt, Fortsetzung der Familienreise. So schnell kann es bei den Masters gehen. Glückwunsch!
Und Cora ist ihren Schützlingen in der Trainingsmannschaft wieder einmal mit bestem Beispiel vorangegangen.
Am nächsten Tag startet Andreas Bartsch mit seinen Kieler Ruderfreunden vom Ersten Kieler Ruderclub (EKRC) im Achter I (=ü75). Als „Gäste“ sind außerdem Ruderer aus der Schweiz und Berlin im Boot. Mit den Kielern bin ich oft zusammen gefahren, ist aber mehr als zehn Jahre her. Die Stimmung war vor dem Start leicht angespannt: Die sieggewohnten Kieler hatten am Vortag die etwas jüngere Achterkategorie nicht gewonnen. In diesen Sphären wird selten von einem „guten zweiten Platz“ gesprochen. Da ist „nicht gewonnen“ gleichbedeutend mit „verloren“.
Konzentration auf dem Weg zum Start. Eine Ehrenrunde in der Warming-Up-Zone. Start klappt gut, wieder geht es Schlag für Schlag voran und bei 250m ist klar: Wir sind vorne und wir bauen den kleinen Vorsprung aus. Bei 750m (Tribüne!) ist klar: Wir sind eine Länge vorn, das kann uns keiner mehr nehmen. Anders als in den kleinen Booten, wo durchaus ein geballter Endspurt das Boot eine oder zwei Längen nach vorne katapultieren kann, ist der Achter träge. Ein Spurt bringt vielleicht 2 Meter, aber keine Bootslänge. Auf 1000m ist das ganze Rennen Spurt. Die „Gegner“ waren bundesweit bekannte, prominente Ruderer. Diesmal war dort die Stimmung gedrückt und für die Kieler war die Welt wieder in Ordnung. Und ich froh, dass der seit einem Jahr laufende „Wiedereinstieg“ in die 1000m-Szene gut verkraftet und sogar mit dem Sieg gekrönt wurde.
Am letzten Tag hat dann noch WSVG-Olympionike (1972 München) Arthur Heyne im Doppelvierer H seine Medaille am Siegersteg abgeholt (gestartet allerdings für seinen französischen Heimatverein ASR).
Andreas Bartsch
Euro Masters Regatta
Die Euro Masters Regatta wurde in München zum ersten Mal 1998 ausgeschrieben und fand alle fünf Jahre statt, wenn die World Masters Regatta außerhalb von Europa war. Damit war eine internationale Spitzenregatta auch für die Ruderer angeboten, für die der Aufwand, auf einen anderen Kontinent zu fliegen, zu groß ist. Seit 2021 wechseln sich Bled (Slowenien) und München als Austragungsorte ab. Im nächsten Jahr wird Kopenhagen der Austragungsort sein. Die Euro Masters Regatta ist immer im frühen Sommer, die World Masters Regatta in der zweiten Septemberwoche. Die Masterskategorien beginnen mit dem Alter 27 (A), dann 36, 43, 50 (D), ab dann im Fünfjahrestakt bis 80 (J), dann weiter im Dreijahrestakt. Die Streckenlänge ist 1000m.
